Das Münchener Start-up Isar Aerospace plant den Start der ersten privaten deutschen Rakete ins All. Firmenchef Daniel Metzler über Risiken und Mut – und warum ihn eine Explosion nicht schreckt.
Düsseldorf. Es bahnt sich ein historischer Moment an: Am Nordkap in Norwegen plant das Münchener Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace am Montag den Start seiner ersten Rakete.
Wenn die „Spectrum“ in einem Zeitfenster ab 12.30 Uhr die sogenannte Kármán-Linie von 100 Kilometern überwindet, wäre sie die erste private Rakete aus Deutschland, die es in den Weltraum schafft. Und das nach sieben Jahren, was in der Raumfahrt eine erstaunlich kurze Entwicklungszeit ist.
Es ist ein Projekt von entscheidender Bedeutung – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für Europa.
Der Start wird laut Vorstandschef Daniel Metzler allerdings fast sicher in einem Desaster enden. „Ziel ist, dass sie idealerweise im Flug explodiert und nicht am Startplatz“, sagt er. Denn ein Launchpad, also die Startrampe, ist teuer. Kommt es zur Explosion, steht die „Spectrum 2“ schon bereit. Die Trägerraketen des Unternehmens sollen künftig Satelliten in die Erdumlaufbahn befördern.
Hendrik Brandis, Mitgründer des Risikokapitalgebers Earlybird, sagt: „Es ist ein ganz wichtiger Moment für Europa.“ Der Zugang zum All sei wichtig und lange unterschätzt worden, betont Brandis, der in Isar Aerospace investiert ist und im Aufsichtsrat sitzt. Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zeige sich etwa, wie entscheidend Satelliten und die Weltraumbeobachtung für die Verteidigung sind.
Bislang verliefen alle Probeläufe der Triebwerke und Systeme der
„Spectrum“ vorbildlich. Aber ein Raketenstart testet die Gesetze der
Physik aus: 1,3 Millionen PS werden auf einmal eingesetzt.