Mit seinem Chatbot hat Deepseek die Tech-Welt in Aufruhr versetzt. Die Heimatstadt des Start-ups will davon profitieren und sich an die Spitze der aufsteigenden KI-Metropolen setzen.
Hangzhou. Der Tisch, von dem die Journalisten abgewiesen wurden, ist wieder abgebaut, geblieben sind zwei Wachleute, die den Zutritt zu den Räumen des Start-ups Deepseek verwehren. „Der große Ansturm ist vorbei“, sagt einer von ihnen im Foyer des schmucken, aber unscheinbaren Bürogebäudes im Zentrum von Hangzhou.
Vor ein paar Wochen hatte sich hier die nationale und internationale Presse eingefunden, nachdem die bis dahin unbekannte Firma mit ihrem Künstliche-Intelligenz-Chatbot R1 die Tech-Welt über Nacht in Aufruhr versetzt hatte. Weil niemand bei Deepseek ihre Fragen beantworten wollte, schickte man die Journalisten jedoch weg.
Seitdem herrscht Goldgräberstimmung in China und zudem brutaler Druck auf Deepseeks Konkurrenten. Der Internetriese Baidu und andere bringen bereits in Windeseile eigene Bots auf den Markt, die noch günstiger sind. „Deepseek ist eine echte Inspiration“, sagte der langjährige Chinakenner und Manager des Chemiekonzerns BASF
Jörg Wuttke, diese Woche vor Journalisten in Shanghai.
Um diese Inspiration weiß auch die politische Führung in Peking. Sie will Deepseek daher zum Wachstumsmotor für die Wirtschaft machen, die derzeit von anderen Faktoren geschwächt wird: Der Handelsstreit mit den USA setzt den chinesischen Industrie- und Exportsektor unter Druck, der Binnenkonsum ist niedrig, und die Immobilienkrise sorgt in der Bevölkerung für Verunsicherung.